Die Weisen und ihr Stern
Wer waren die Heiligen Drei Könige? Welchem Stern folgten sie? Was bedeutet »Epiphanias«?

Wenn »Heilige Drei Könige« im Kalender steht, können sich Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt, die Kantone Schwyz, Tessin und Uri sowie einige Gemeinden Graubündens (Dreikönigstag), ganz Österreich, Italien (Epifania), Schweden (Trettondagen), Finnland, Polen, Liechtenstein, die Slowakei (Traja králi), Kroatien (Sveta tri kralja), Spanien und Puerto Rico (Día de Reyes, Epifanía del Señor), Griechenland oder Zypern kurz nach Neujahr gleich wieder auf einen freien Tag freuen – es sei denn, der sechste Tag des neuen Jahres fällt ungünstiger Weise auf das Wochenende.
Doch warum ist der 6. 1. ein besonderer Tag?
Wer waren die
Heiligen Drei Könige?
Ihren ersten Auftritt haben die drei Könige im zweiten Kapitel der Weihnachtsgeschichte des Matthäus-Evangeliums (Mt 2, 1–12), wo allerdings nur recht schwammig von einer unbestimmten Anzahl an »Weisen aus dem Morgenland« bzw. »Magiern« oder »Sterndeuter aus dem Osten« die Rede ist. Diese diffusen Herren also kamen damals, vor gut 2000 Jahren, mit der Frage nach Jerusalem: »Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.«
Und mit dieser Frage kamen sie ausgerechnet zu König Herodes, der seinerseits ja eine fürchterliche Angst davor hatte, dass dieser neue König der Juden seinen eigenen Königsthron ins Wanken bringen könnte!
Herodes versuchte, die Morgenländer als Spione einzuspannen, die ihm den Aufenthalt des dringend zu ermordenden Kindes verraten sollten, doch das gelang ihm nicht: »Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war […] Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann […] brachten [sie] ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.«

Mit Gold, Weihrauch und Myrrhe waren es laut Matthäus drei Gaben, die die Weisen aus dem Orient dem Jesuskind darbrachten; und da lag es dem Volksglauben doch sehr nahe, sich (etwa ab dem 3. Jahrhundert n. Chr.) auch drei ganz konkrete freundliche ›Onkels‹ vorzustellen, die diese Geschenke in der Hand hielten.
Wohl deshalb, weil es sehr kostbare Präsente waren, die sie da brachten, wurden die drei fortan als Könige bezeichnet. Namen gab man ihnen dann auch: Im 6. Jahrhundert hießen sie noch Thaddadia, Melchior und Balytora, ab dem 8./9. Jahrhundert bürgerten sich die bis heute gebräuchlichen Namen Caspar, Melchior und Balthasar ein.
Im 12. Jahrhundert begann man zudem, sie als Vertreter der drei Lebensalter (Jugend, Alter und Reife) und der drei damals bekannten Kontinente Afrika, Asien und Europa zu verstehen und entsprechend in christlichen Bildwerken zu gestalten. So wurde angedeutet, dass sich Jesu Offenbarung an Menschen aller Generationen und jeglicher Herkunft richtet. Auch die Geschenke wurden symbolträchtig aufgeladen: Gold steht nun für die Weisheit des Königs, Weihrauch für Opfer und Gebet und Myrrhe für Reinheit und Selbstbeherrschung.

Eifrige Legendenbildungen dagegen sorgten dafür, dass die immer noch recht abstrakten Könige eine griffige Biographie erhielten. So sollen sie von den drei Söhnen Noahs abstammen, und frühchristlichen Quellen berichten, dass sie später vom Apostel Thomas getauft wurden und die Bischofswürde erlangten. Im Jahr 54 sollen sie dann gemeinsam das Weihnachtsfest zelebriert haben und gleich darauf gestorben sein.
Entsprechend konnte Kaiserin Helena (ca. 248-330), die Mutter des römischen Kaisers Konstantins des Großen, die Gebeine der drei Könige auffinden und nach Konstantinopel überführen. Nach einer Zwischenstation in Mailand gelangten diese Reliquien im Jahr 1164 als Geschenk nach Köln, wo sie seither im Dom verehrt werden. Einleuchtenderweise gelten die Drei Könige vor allem als Schutzpatrone der Reisenden und Pilger.
Welchem Stern folgten die drei Weisen?
Astronomen zerbrachen und zerbrechen sich derweil den Kopf darüber, was es mit dem Stern auf sich hat, der den Weisen aus dem Morgenland als Wegweiser zum Geburtsort Jesu, der Krippe in Bethlehem, gedient haben soll. Es könnte sich zum Beispiel um einen Kometen wie den 1997 lange am Himmel sichtbaren Hale-Bopp gehandelt haben.

Dekorative Schweifsterne dieser Art zieren dann ja auch fast jede Krippenszene auf Weihnachtskarten oder Adventskalendern. Doch fundiert nachprüfen lässt sich das heute nicht mehr. Auch für die Theorie, dass der Stern von Bethlehem eine irgendwo im All explodierende Supernova war, fehlen bisher handfeste Beweise. Erwiesen ist jedoch, dass sieben Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung die beiden sehr hellen Planeten Jupiter und Saturn mehrfach so dicht beieinanderstanden, dass sie wie ein einziger großer Stern am Himmel erstrahlten. Matthäus bezeichnet die Weisen aus dem Morgenland nun ja als »Sterndeuter«, also als der damals noch untrennbar mit der Astronomie verwobenen Astrologie kundig.

In der traditionellen Astrologie wurde der Planet Jupiter unter anderem als Sinnbild für »König« und Saturn für »Volk der Juden« gelesen. So gesehen leuchtet natürlich unmittelbar ein, warum diese Konstellation die drei Grenzwissenschaftler zu ihrer Reise veranlasste.
Wenn man dieser Theorie zustimmt, muss man sich allerdings auf den etwas schrägen Sachverhalt einlassen, dass der historische Jesus im Jahre 7 vor Christi (also deutlich vor der eigentlich ja nach seiner Geburt bestimmten Zeitrechnung) geboren wurde. Diese Annahme ist in den modernen Geschichtswissenschaften inzwischen tatsächlich sehr verbreitet.
Und was bedeutet »Epiphanias«?
In der katholischen Kirche wird mit dem Hochfest »Erscheinung des Herrn« bzw. Epiphanias (Epiphany, Epiphanie) am 6. Januar nicht nur den Besuch der weisen Männer an der Geburtskrippe des Jesuskindes gewürdigt, sondern zusätzlich auch Jesus Taufe im Jordan und die Hochzeit zu Kana, bei der er Wasser in Wein verwandelte und damit sein erstes Wunder vollbrachte. Diese drei Ereignisse gelten als die zentralen Momente, in denen die Göttlichkeit Jesu allgemein ersichtlich und er als Gottessohn in Menschengestalt erkennbar wurde.
Buchstaben und andere Bräuche
Wenn mancherorts zum 6. Januar die Sternsinger von Haus zu Haus ziehen, um wohltätige Gaben bitten und mit Kreide die neue Jahreszahl und die Buchstaben C + M + B an die Tür schreiben – dann halten die Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar, deren Initialen hier verwendet werden, also eine Art Autogrammstunde ab? Nicht ganz. In erster Linie handelt es sich dabei um eine Schutzformel, die alles Übel im kommenden Jahr fernhalten soll; nämlich um die Abkürzung des lateinischen Satzes »christus mansionem benedicat«, der übersetzt »Christus segne dieses Haus« bedeutet.

Verbreiteter als der Sternsinger-Brauch ist das eher private Ritual, die Kerzen am Weihnachtsbaum am 6. 1. noch ein letztes Mal zu entzünden und besinnlich zu genießen – um den sperrigen Baum sodann (samt sämtlicher die Wohnung seit Weihnachten, dem ersten Advent oder noch früher zierenden Tannenzweigen, Krippen, Kugeln, Engeln, Weihnachtsmännern und sonstigen typisch weihnachtlichen Deko-Elementen) rigoros zu entsorgen. (Die Deko kommt natürlich nur in den Karton – bis zum nächsten Jahr!)
Das wäre für konsequente Katholiken insofern etwas voreilig, als dass der christliche Weihnachtsfestkreis, der mit dem 1. Advent beginnt, dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nach offiziell erst endet, wenn am Sonntag nach Erscheinung des Herrn noch einmal gesondert das Fest der Taufe des Herrn begangen wird. Den meisten aber reicht es jetzt mit dem Weihnachtszauber, wir brauchen Raum für frische neue Ideen!
Bilder: Franz Haar, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, Wolfgang Sauber, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, NASA, Public domain, ursprünglich hochgeladen von Papiermond, übertragen auf Commons von Μυρμηγκάκι, Public domain, alle via Wikimedia Commons. Vielen Dank dafür!

