Die Jahreszeiten


Meteorologisch, astronomisch-kalendarisch oder phänologisch – warum fangen die Jahreszeiten immer gleich mehrfach an? Wie passt das zur Astrologie?


Meteorologisch gesehen

Die Meteorologen teilen das Jahr schlicht und ergreifend synchron zu den Kalendermonaten ein: Im März, April und Mai ist Frühling, in den drei Monaten von Juni bis August Sommer, von 1. September bis zum 30. November Herbst und von Dezember bis Februar Winter – jedenfalls auf die Nordhalbkugel der Erde, die wir ja bewohnen. Das leuchtet auch dem allgemeinen menschlichen Zeitempfinden ein, das sich vor allem an spürbaren Temperaturunterschieden und am Werden und Vergehen der Natur orientiert: Wenn das Laub von den Bäumen fällt, ist Herbst, wenn alles kahl ist und man ordentlich friert Winter, wenn es wärmer wird und die Pflanzen wieder sprießen, haben wir Frühling, und so richtig heiß wird es dann in den drei Sommermonaten.


Phänologisch gesehen

Etwas differenzierter ist die Einteilung in 10 phänologische Jahreszeiten, die sich unabhängig von den Monaten an alljährlich wiederkehrenden Entwicklungsstadien (Blüte, Blattaustrieb, Fruchtreife und Laubfall) ausgewählter Zeigerpflanzen oder auch typischem Tierverhalten orientiert:
Der Vorfrühling beginnt meist Ende Februar oder Anfang März und ist u. a. dadurch gekennzeichnet, dass Haselnuss, Schneeglöckchen, Winterlinge, Märzbecher und Krokusse blühen und von Hummeln besucht werden. Im Erstfrühling blühen dann u.a. Forsythien, Veilchen, Buschwindröschen, Narzissen und Tulpen, im Vollfrühling Apfelbaum und Flieder, Rosskastanie, Maiglöckchen, Bärlauch und Waldmeister, und wir können den Kuckuck rufen hören.
Der Frühsommer fällt meist auf den Juni. Der Holunder blüht, ebenso Pfingstrosen, Wildrosen, Wiesenblumen und Gräser, Die ersten Süßkirschen- und Erdbeerfrüchte sind reif. Die Grillen zirpen. Die Singvogelbrut wird flügge. Der Hochsommer beginnt, wenn die Linde blüht. Außerdem erblühen Hortensien, Lavendel und Liguster, Die Johannisbeeren sind reif. Im Spätsommer blühen Dahlien und Heidekraut, Nun können Frühäpfel, Frühzwetschgen, Pfirsiche, Mirabellen und Holunderbeeren geerntet werden. Vermehrt schwirren Libellen und Stechmücken durch die Luft.
Im Frühherbst erblüht die Herbstzeitlose. Zwetschgen, Äpfel und Birnen, Brombeere, Holunder, Hagebutten, Sanddorn und Haselnuss werden erntereif. Die Schwalben ziehen allmählich fort in ihre Winterquartiere. Wenn die Astern blühen, ist der Vollherbst erreicht. Laubbäume wie die Rotbuche, die Esche und die Eiche sowie der Wilde Wein verfärben sich, an den Obstbäumen fallen schon die Blätter. Späte Apfelsorten, Quitte und Walnuss können nun geerntet werden. Die Stare ziehen davon. Wildbäume wie Pappeln verlieren im Spätherbst ihre Blätter, die Vegetationsperiode geht zu Ende. Igel suchen nach einem Winterquartier, Eichhörnchen sammeln und verstecken fleißig ihre Wintervorräte.
Der Winter, die Zeit der vollen oberirdischen Vegetationsruhe, in der die meisten Bäume das Laub verloren haben, ist die längste phänologische Jahreszeit. Sie dauert ca. von Ende November/Anfang Dezember bis Mitte/Ende Februar. Trotzig blühen dennoch die Christrose, der Winterjasmin und die Zaubernuss.
Die phänologischen Jahreszeiten hängen direkt mit dem tatsächlichen regionalen Wetter- und Temperaturbedingungen zusammen, die sich durch den Klimawandel globale Erwärmung stetig verschieben:
   


Ein großes Netzwerk von Naturbeobachtern unterstützt den Deutschen Wetterdienst (DWD) dabei, diese phänologischen Daten zu erfassen, mit deren Hilfe Landwirte, Gärtner und Imker dann den richtigen Zeitpunkt für Aussaat, Bestäubung, Ernte usw. für ihre Region bestimmen können.


Astronomisch gesehen

Ein weiterer wichtiger Aspekt, nach dem wir unterschiedliche Zeitphasen wahrnehmen, ist die Helligkeit der Tage; und danach richten sich der Frühlingsanfang, der Sommeranfang, der Herbstanfang und der Winteranfang, die – jeweils rund drei Wochen nach dem meteorologischen Beginn der Jahreszeiten – offiziell im Kalender vermerkt sind.


Wenn hier »Frühlingsanfang« oder »Herbstanfang« steht, vergehen zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang exakt 12 Stunden. Der Tag und die Nacht sind also jeweils genau gleich lang – und zwar auf beiden Halbkugeln der Erde, also überall auf der Welt (daher spricht man hier auch von der »Tagundnachtgleiche« bzw. dem »Äquinoktium«).
Nach dem offiziellen Herbstanfang werden die Tage dann stetig dunkler, täglich verlieren wir rund fünf Minuten Licht – bis der Winteranfang erreicht ist, zu dem die Tage nur noch exakt 8 Stunden lang sind, die Nächte aber 16 Stunden. Ab dann wird es Schritt für Schritt wieder heller – bis wir mit dem Sommeranfang gerechterweise das genau umgekehrte Verhältnis vom 16-Stunden-Tag zur 8-Stunden-Nacht genießen können.
Die vier kalendarischen Eckdaten Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winteranfang – beziehungsweise die sekundengenaue Dauer von Tag und Nacht – werden mit astronomischen Mitteln nach dem Stand der Sonne über dem Äquator berechnet. Und dabei kann es Jahr für Jahr zu kleinen terminlichen Abweichungen kommen. So fällt der Herbstanfang in unserem Nordhalbkugelkalender zum Beispiel mal auf den 22. und mal auf den 23. September.


Astrologisch gesehen

Parallel zur Frühlingstagundnachtgleiche steht die Sonne – astronomisch wie astrologisch gesehen – auf 00°00 Grad im Tierkreiszeichen Widder (nicht aber im gleichnamigen Sternbild!). Hier beginnt sie eine neue Tournee rund um den Tierkreis, und damit beginnt zugleich auch ein neues astrologisches Jahr (A).


Zum Sommeranfang geht die Sonne dann exakt auf 00°00 Grad in das Tierkreiszeichen Krebs über (C), zur Herbsttagundnachtgleiche ins Tierkreiszeichen Waage (E) und zur Wintersonnwende ins Tierkreiszeichen Steinbock (G). Wie bei einer Torte ist jede Jahreszeit dann weiter in jeweils in drei Tierkreishäppchen à 30°00 eingeteilt, sodass sich insgesamt sogar 12 Zeiten des Jahres ergeben, die wie die phänologischen nicht synchron zu den Monaten verlaufen.

Dafür, dass zumindest die vier Eckdaten dieses Jahresrades für unsere Vorfahren schon in der Steinzeit große Bedeutung hatten, sprechen zum Beispiel neolithische Monumente wie Stonehenge, mit dem sich der Termin der Wintersonnwende auf den Tag genau bestimmen lässt. Sehr wahrscheinlich wurden wichtige rituelle Feste danach terminiert.


Gute Gründe, zu feiern

Bis heute feiern wir unser Frühlingsfest Ostern immer in der Nähe des astronomisch-astrologischen Frühlingsanfangs (A), Mittsommer ist zumindest in den skandinavischen Ländern und im Baltikum ein wichtiges Fest, das mit dem Sommeranfang bzw. dem Übergang der Sonne in den Krebs (C) einhergeht. Im Zeichen der Waage (E) bzw. des Herbstanfangs steht dann das diesem Termin nahestehende Erntedankfest, und kurz nach dem astronomisch-astrologischen Winteranfang (G) legen wir mit Weihnachten, Silvester und Neujahr so richtig los.
Unsere keltischen Vorfahren zogen es jedoch vor, nicht den Beginn, sondern den Höhepunkt einer Jahreszeit zu feiern. In Irland ist dies bis heute konsequent Brauch, in anderen Ländern zumindest teilweise. Dadurch werden die vier festen (fixen) Zeichen des Tierkreises zu den himmlischen Schutzpatronen der Feierlichkeiten: Der Stier (Frühlingsmitte/B) begleitet den Maifeiertag, und der Skorpion (Herbstmitte/F) den Halloween-Abend am 31. Oktober. Mariä Lichtmess am 2. Februar steht im Zeichen des Wassermanns (Wintermitte/H) im Kalender, doch das ursprünglich der Erntezeit geweihte Fest des stolzen Löwen (Hochsommer/D) am 1. August spielt heute kaum eine Rolle – nur die Schweizer begehen ihre Bundesfeier zu diesem Termin.
Die eher unbestimmte Zeit der vier beweglichen Zeichen Zwillinge, Jungfrau, Schütze und Fische, in der eine Jahreszeit in die nächste übergeht, ist von keinen markanten Festen gekrönt.
Moderne Hexen, die viel Wert auf den Einklang mit der Natur und entsprechend auch mit den Jahreszeiten legen, würdigen alle 8 Termine, die für unsere keltisch-germanischen Vorfahren von Bedeutung waren, durch besondere Rituale und benennen sie mit ihren alten Namen.

Das keltisch-germanische Rad des Jahres
Imbolc : 2. Februar (H)
Ostara: 20./21. März(Frühlingstagundnachtgleiche/A)
Beltane: 30. April-1.Mai (B)
Litha: 20./21./22. Juni (Sommersonnwende/C)
Lammas: 1. August (D)
Mabon: 22./23./24. September (Herbsttagundnachtgleiche/E)
Samhain: 31. Oktober-2. November (F)
Jul : 20./21./22./23. Dezember (Wintersonnwende/G)

Nein, dies ist keine Einladung, 8 x im Jahr Kerzenkreise aufzustellen und die vier Elemente anzurufen. Aber machen Sie sich zu diesen Terminen doch einmal die besondere Schönheit der Jahreszeit bewusst, die Sie gerade erleben – das ist schon Magie genug!


Fotos: © M. Mundt, Grafik astrologischer Jahreslauf erstellt mit Lizenz der AstroGlobe GmbH, Freiburg – Grafik phänologischer Jahreslauf: FraKa (GeoNutzV <http://www.gesetze-im-internet.de/geonutzv/> or GeoNutzV <http://www.gesetze-im-internet.de/geonutzv/>), Grafik astronomischer Jahreslauf: Horst Frank [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], beide via Wikimedia Commons. Vielen Dank dafür!