Elegant im Gleichgewicht
Im goldenen Oktober, wenn die Sonne im Zeichen der Waage steht (22./23./24.09.- 22./23.10.), ist die Ernte des Sommers eingebracht. Nun geht es darum, sie gerecht zu teilen. Und dafür steht das siebente Zeichen des Tierkreises, die Waage.
Die Waage ist das kardinale, das Hauptzeichen der Luft und verkörpert entsprechend das für dieses Element charakteristische Verlangen, sich rege mit anderen Menschen auszutauschen, in seiner unmittelbarsten Form. Doch während die beiden Luftkollegen Zwilling und Waage den Schwerpunkt vor allem auf das geistige Miteinander legen, liegt dem Venus-Zeichen Waage im Speziellen auch der zärtliche und prickelnd erotische Paarlauf sehr am Herzen.

Viele bildliche Darstellungen der Waage weichen in einem wichtigen Punkt von denen der anderen Tierkreiszeichen ab: Hier wird keine menschliche Figur (wie bei Jungfrau oder Waage) und kein Tier (wie Skorpion oder Stier) gezeigt, sondern ein Gegenstand, eine Waage – beziehungsweise der Vorgang des Balance-Haltens, des Abwägens, des harmonischen Ausgleichs und des Teilens. All das sind Qualitäten, ohne die Schönheit, Kunst und Gerechtigkeit ebenso undenkbar wären wie echte Partnerschaft und Liebe.

Charmant und kooperativ – typisch Waage!?
Die charakteristischen Licht- und Schattenseiten einer Waage-Persönlichkeit sind wahrscheinlich jedem Menschen gut vertraut, der selbst eine Waage ist – oder einem Waage-betonten Menschen nahesteht:
• Charmant und elegant, fair, freundlich und kooperationsbereit, immer auf Ausgewogenheit bedacht und bemüht, alle Seiten gleichermaßen zu ihrem Recht kommen zu lassen, stilvoll und kunstsinnig …
• Unentschlossen, ewig hin und her denkend, etwas oberflächlich, eitel, nur den schönen Schein liebend, förmlich, harmoniesüchtig …
Die meisten „typischen Waage-Schwächen“ sind genau besehen nur die in ein unschönes Extrem degenerierten Stärken dieses Zeichennaturells. Jede Waage, die lieber das Bessere als das Schlechtere aus ihren Möglichkeiten machen will, sollte mit der ihr eigenen Eleganz klug ausbalancieren, wann Anpassungsvermögen zur Selbstaufgabe und Freundlichkeit zur Fassadenhaftigkeit wird.
Allerdings: „Die Waage an sich“ gibt es überhaupt nicht!
Im Kern jeder (Sonnen-)Waage-Persönlichkeit steckt ̶ astro-logisch gesehen ̶ zwar grundsätzlich das Potential, das hier kurz skizziert wurde; doch im wirklichen Leben wird man nie einer „reinen“, ausschließlich von diesem Ur- und Purqualitäten beseelten Waage begegnen. Denn jede Waage betritt ja mit einer ganz eigenen, einmaligen Visitenkarte die Bühne dieser Welt: Mit ihrem persönlichen Geburtshoroskop, in dem ihr „Sternzeichen“ in einem sehr individuellen Umfeld angesiedelt ist:
– Die Sonne steht hier nicht nur in der Waage, sondern zugleich auch in einem der zwölf Häuser, das der Entfaltung der typischen Wesenszüge eine spezifische Richtung vorgibt.
– Zudem wird ihr Licht durch ein bestimmtes Aszendentenzeichen „gefiltert“, das beschreibt, wie sich das Sonnennaturell auf dieser Welt zur Geltung bringt, und weitere persönliche Wesenszüge ins Sternenspiel bringt.
– Und darüber hinaus wird die Geburtstagssonne von zahlreichen weiteren Zeichen- und Häuserkonstellationen begleitet, in denen der Mond und die übrigen Gestirne stehen.
Durch dieses Umfeld verändert sich allerlei. Denn dadurch entstehen die verschiedensten „Sorten“ von Waagen. Zum Beispiel sogar doppelt anpassungsfähige und kunstsinnige Fische-Waagen – aber auch gar nicht so gesellige Jungfrau- oder Steinbock-Waagen oder oft durchaus sehr rauflustige Widder-Waagen und viele mehr.
Und: Es gibt nicht nur „Geburtstagswaagen“
Umgekehrt sind die typischen Waage-Qualitäten durchaus nicht ausschließlich nur den Menschen vorbehalten, die im September oder Oktober unter der Sonne in der Waage ihren Geburtstag feiern. Sie spielen im Gegenteil auch im Persönlichkeits- oder Beziehungsprofil der Menschen eine zentrale Rolle, in deren Geburtshoroskop der Aszendent oder wichtige persönliche Gestirne – vor allem Venus! – dieses Zeichen bewohnen.
Und dann gibt es noch die „heimlichen Waagen“, denen die Sterne sozusagen auf Umwegen viel von dem in die Wiege gelegt haben, was eine echte Waage ausmacht: Insbesondere Menschen, in deren Geburtshoroskop die Sonne oder Venus das siebente Haus bewohnen, oder bei denen Venus in direktem Kontakt zur Sonne oder dem Aszendenten bzw. im ersten Haus steht, zeichnen sich in vielerlei Hinsicht durch Ambitionen und Handlungsweisen aus, die eigentlich „typisch Waage“ sind ̶ auch wenn kein einziger Planet im Zeichen steht.
Die Mischung macht’s!
Von der Waage als persönlichem Sonnen- oder Venuszeichen bis hin zur mentalen Zugehörigkeit zu einer typischen Uranus-in-der-Waage-Generation beschreibt jedes Gestirn, das sich im Geburtshoroskop in diesem Zeichen angesiedelt hat, jeweils eine ganz spezielle „Waage-Ader“ im Menschen.
Welcher Waage-Typ Sie persönlich sind ̶ oder Ihr Partner, Ihr Kind, Ihr Vater, Ihre Mutter, ein guter Freund oder eine gute Freundin, Ihr Chef oder ein Arbeitskollege ̶ das lässt sich also erst in einer individuellen Analyse des persönlichen Geburtsprofils angemessen klären.
In den aktuellen Trendmeldungen für WAAGE-Geborene dagegen, die ich Ihnen in der Rubrik Kalender zur Verfügung stelle, kann ich zwar die Höhenflüge oder die Tiefpunkte beschreiben, die WAAGE-betonte Menschen nun generell besonders stark verspüren werden ̶ doch was sie darüber hinaus noch so alles verspüren (und was davon vielleicht noch sehr viel vordringlicher ist!), das kann vollständig nur eine individuelle Trendberechnung auf Grundlage des Geburtshoroskops passgenau herausarbeiten.

Die Waage als Zeichen der Zeit
Ganz allgemein betrachtet verkörpert die charmante Waage Stimmungslagen und Zeitgeistphänomene, mit denen wir alle in den verschiedensten Phasen unseres Lebens in Berührung kommen. Wann (und wie!) genau wir die Waage-Zeit in diesem Jahr erleben, das erfahren Sie zur gegebenen Zeit im aktuellen Tierkreis-Kalender.
Monat für Monat: Im Gleichgewicht?
Ein Waage-Mond steht jeden Monat wieder 1–2-mal für einige Tage am Himmel – und macht große Lust auf Geselligkeit und alles Schöne im Leben: als Neumond im September oder Oktober, in der abnehmenden Phase von Oktober bis März, als Vollmond im März oder April und als zunehmender Mond von April bis September. Lassen Sie nun die Blüten erblühen; zwischenmenschlich wie im Garten oder in der Vase!
Jahr für Jahr: Zeit für die schönen Dinge des Lebens!
Der offizielle Herbstanfang fällt alle Jahre wieder exakt auf den Termin, zu dem die Sonne in das Zeichen der Waage übergeht und uns von hieraus dann zwischen dem 22.09. und dem 23.10. durch den „Goldenen Oktober“ begleitet. Merkur und Venus finden sich ebenfalls zwischen Spätsommer und Herbst in diesem charmanten und geselligen Zeichen ein, in dem vor allem die himmlische Liebesgöttin einen Höhepunkt ihrer Ausstrahlungskraft erreicht. Der Zeitraum der Planeten-Passagen variiert jedoch von Jahr zu Jahr.
Als Zeichen des Herbstanfangs vermittelt die Waage zwischen dem milden, romantischen Sommerwind, der der Liebessehnsucht Flügel verleiht, und der kalten, dunklen Zeit des Jahres, in der die Menschen schon aus Vernunftgründen enger zusammenrücken.
Die Sonne in der Waage belohnt uns alljährlich für das im Zeichen der Jungfrau absolvierte Pflichtprogramm. Sie lässt die bunte Blätterpracht der herbstlichen Bäume aufleuchten und lädt uns ein, das Augenmerk auf all die schönen Dinge des Lebens zu richten, die wir gemeinsam mit anderen Menschen genießen können. Die Waage-Zeit ist eine gute Zeit, um – in jeder Hinsicht! – mehr Schönheit ins Leben zu bringen.
Das gesellig-kulturelle Leben erwacht aus seinem sommerlichen Dornröschenschlaf. Theater und andere Stätten der Kunst und Kultur öffnen ihre Türen zu einer neuen Saison, und auch sonst liegt ein gesteigertes Verlangen nach menschlicher Nähe, Gedankenaustausch und Unterhaltung in der Luft. Lassen Sie sich locken, Körper, Geist und Seele wollen tanzen!

Mars in der Waage: Eher inkonsequent?
Unabhängig vom Sonnenlauf lädt Mars in der Waage uns alle zwei bis drei Jahre einige Wochen lang dazu ein, unsere Aktivitäten noch etwas schöner zu gestalten als bisher. In der harmonieliebenden Waage steht der Planet der Kämpfer und Krieger allerdings in einem Zeichen, das seiner kämpferischen Energie diametral entgegengesetzt ist, daher ist es nicht leicht, immer so konsequent am Ball zu bleiben, wie wir uns das wünschen.
Jupiter in der Waage: Teilen heißt gemeinsam gewinnen!
Zum beherrschenden Trend eines ganzen Jahres wird der Waage-Geist der Kooperation und Harmonie regelmäßig alle zwölf Jahre, wenn Jupiter, der Planet der Entfaltung im großen Stil, diese Station des Tierkreises erreicht. So zum Beispiel 2004-2005, 2016-2017, 2028-2029 oder 2039-2041. Fairness, Harmonie und Schönheit sind in diesen Zeiten die höchste Ziele.
Saturn in der Waage: ‚Man‘ sollte immer zuerst an andere denken!
‚Man‘ sollte immer zuerst an andere statt an sich selbst denken! ‚Man‘ sollte immer fair, loyal und kooperativ sein! Das sind die Maximen, die der gestrenge himmlische Lehrmeister Saturn in der Waage rund alle 30 Jahre wieder für allgemeinverbindlich erklärt so zum Beispiel 2009-2012, 2039-2042 oder 2068-2071.
Nun ist uns ist ein bemerkenswert hohes Verantwortungsbewusstsein in zwischenmenschlichen Beziehungen aller Art zu eigen, doch gerade deshalb neigen wir jetzt auch sehr dazu, das Miteinander viel zu kritisch zu bewerten und weitaus strengere Grenzen von Mensch zu Mensch zu setzen, als es eigentlich nötig wäre. Wann ist die Grenze der Kooperationsbereitschaft erreicht? Wir haben nun das Gefühl, uns deutlicher von den verschiedenen „Dus“ in unserem Leben abgrenzen zu müssen.

Das Lebensgefühl ganzer Jahrzehnte und Generationen schließlich findet sein Spiegelbild im Tierkreiszeichen Waage, wenn ihm einer der drei äußeren Planeten unseres Sonnensystems einen seiner seltenen Besuche abstattet. Ausgiebige Begegnungen mit dieser Zeitgeistströmung stehen längst nicht in jedem Menschenleben auf dem Sternenplan; doch für das 20. Jahrhundert waren sie recht prägend:
1942-1957: Ganz miteinander verschmelzen …
Mitte des 20. Jahrhunderts herrschte nach Auskunft von Neptun in der Waage (1942-1957) eine besonders tiefe Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Liebe, Romantik und sogar nach Verschmelzung bis zum Selbstverlust; ganz nach der Devise: „Ohne dich bin ich nichts!“ In dieser Blümchenwelt war klar, dass der Mann in die Welt gehört und die Frau an den Herd.
1968-1984: Partnerschaft? Neu definiert!
Mehr Freiheit im Miteinander! Zeit, hier einmal kräftig frischen Wind wehen zu lassen! Sagte dann jedoch der Zeitgeist der späten 1960er. Passend zu Uranus in der Waage (1968-1975) wurden die starren Rollenkorsetts von Frau und Mann gesprengt und die bisher verbindlichen Vorstellungen von Liebe und Ehe eifrig aus der Welt diskutiert.
Unter Pluto in der Waage (1971-1984) zeitigten diese Überlegungen und Debatten ab den 1970ern dann greifbare Konsequenzen. Nun veränderten sich die allgemeinen Spielregeln in der Partnerschaft nicht nur theoretisch, sondern auch ganz handfest. Liebe und Ehe werden seitdem in anderer Form verstanden und gelebt.
Die beiden Waage-Wanderer standen zugleich aber auch für ein neues soziales Verantwortungsbewusstsein, für ein geradezu radikales Verlangen nach Menschlichkeit, Fairness und gerechtem Ausgleich – weltweit.
Bis die Waage wieder derart markant zum Zeichen des allgemeinen Zeitgeists wird, wird es wird noch ein ganzes Weilchen dauern: Vor 2050 tut sich hier wenig, dann kommt Uranus erneut zu Besuch.

Persönlicher genommen: Top-Zeit oder Flop-Zeit?
- Alle großen und kleinen Waage-Phasen im Leben sind besonders günstig für gebürtige ZWILLINGE und WASSERMÄNNER, LÖWEN und SCHÜTZEN, die allesamt mit der heiteren, humorvollen Leichtigkeit gesegnet sind, mit der man Herzen erobert. Sie können sich nun von ihrer liebenswertesten Seite zeigen.
- Das gilt natürlich auch für WAAGE-betonter Menschen, deren Stärken jetzt hell erstrahlen. Doch sie sollten aufpassen, dass sie nicht auch ihre persönliche Kehrseite der Medaille – also Unentschlossenheit, Oberflächlichkeit, Harmoniesucht oder Eitelkeit – zum Blinken bringen.
- Die stürmischen WIDDER tun in Sachen „zwischenmenschliche Offensive“ jetzt gern entschieden zu viel des Guten; und das könnte ihnen eher Streit als Sympathien einbringen. Sie sagen der allgemeinen Harmoniekiste gern streitlustig den Kampf an, boxen dabei jedoch gegen Wattewolken.
- KREBSE empfinden das Miteinander nun als viel zu „aalglatt“, unverbindlich und gefühllos, ihre Lust auf größere Geselligkeiten hält sich sehr in Grenzen.
- STEINBÖCKE dagegen würden lieber bei der Arbeit vorankommen, statt ihre Zeit mit müßigem Smalltalk zu vergeuden; leicht merkt man ihnen an, dass es weniger die Freude an anderen Menschen, sondern vielmehr der berufliche Ehrgeiz ist, der sie – wenn’s denn unbedingt sein muss! – unter Leute treibt.
- Für STIERE, JUNGFRAUEN, SKORPIONE und FISCHE hält die Waage-Zeit keine besonderen astrologischen Impulse bereit. Bauen Sie einfach in Ruhe weiter aus, was Sie in der vorangegangenen Jungfrau-Zeit für sich erkannt und erreicht haben!

Analogien und Korrespondenzen zur Waage
Jahreszeit: Herbstanfang
Tierkreis: 180°-210° (siebente Station)
Astronomisch, Sternbild: 219°-238° (Libra)
Element, Modalität, Pol: Luft, kardinal, männlich
Haus, Lebensthema: 7. Haus; Austausch, Partnerschaft
Gestirne: Venus (Regentin), Saturn (erhöht)
Im Tarot (nach Golden Dawn):
Trumpfkarte VIII: Die Ausgleichung
2 Schwerter (Mond in der Waage)
3 Schwerter (Saturn in der Waage)
4 Schwerter (Jupiter in der Waage)


